Buchprofis im Gespräch … Lektorat für Sachbücher – Interview mit Melina von Melinguist Sprachdienstleistungen
Willkommen zu meiner Themenreihe, in der ich euch Dienstleistende der Buchbranche vorstelle. Heute ist Melina von „Melinguist Sprachdienstleistungen“ dran. Sie ist Lektorin und im LitNet auf Sachbücher spezialisiert. Was genau bei Sachtexten wichtig ist und wie sie deinen Text optimieren kann, erfährst du hier.
Ich habe es schon immer geliebt, in Ruhe und in meinem eigenen Tempo arbeiten zu können. Nach meinem Studium der Translationswissenschaft war mir klar, dass ich auf jeden Fall weiterhin direkt am Text arbeiten und sozusagen mit Sprache spielen möchte. Da das in den meisten Jobs aber nur eine Aufgabe von vielen ist und sich die Sprachindustrie in den letzten Jahren stark verändert hat, habe ich relativ schnell den Weg in die Selbständigkeit als Lektorin, Übersetzerin und Texterin gewagt, um mir mit dem Wissen, das ich erworben habe, etwas aufbauen zu können. Und obwohl diese Branche tatsächlich keine bequemen Wege bietet, bin ich dankbar dafür, wie es sich gerade entwickelt.
🎤 Warum ist es sinnvoll, deine Leistung zu buchen?
Korrekte und einheitliche Schreibweisen von Fachbegriffen sind ausschlaggebend, damit ein Text überhaupt verständlich und dann noch angenehm zu lesen ist. Beim Schreiben passiert so einiges, das Schreibende nicht immer sehen – was ja völlig normal ist. Lesende haben jedoch Erwartungen an die Qualität eines Sachtextes, und im Lektorat und Korrektorat gebe ich alles dafür, um die Qualität eines Textes bzw. Buches fit für den Markt zu machen. Fakt ist: Die Perspektive einer weiteren Person (mit einer Sprachausbildung, wie ich sie habe 😉) hilft nicht nur dem Text, sie stellt die Professionalität der Schreibenden bestmöglich sicher.
Konkret geht es um folgende Punkte:
Bei einem Sachtext ist der Aufbau grundsätzlich anders als bei einem Roman. Um den Lesenden ein komplexes Thema näherzubringen, sind „frische“ Augen erforderlich, sei es bei der Kapiteleinteilung oder bei Begriffsklärungen.
Vor allem ist es aber die hohe Dichte an Informationen und spezieller Terminologie, die einen wesentlichen Unterschied zum Belletristik-Lektorat macht, bei dem eher auf einen variantenreichen Ausdruck geachtet wird. Beim Sachtext sollte vieles vereinheitlicht werden, damit auf die Lesenden keine wirre Informationsflut einprasselt, sondern ihnen wichtige Informationen klar und häppchenweise serviert werden. Das heißt aber nicht, dass man im Sachtext weniger kreativ sein kann. Ganz im Gegenteil – ansprechend verfasste Sachtexte werden wirklich gerne gelesen und als Autor:in darfst du deinen Lesenden auch etwas zutrauen. Die Menschen wollen sich ja einlesen und weiterbilden. Und stell dir vor, dass genau dein Sachbuch den richtigen Personen weiterhilft.
So funktioniert’s: Während der ersten beiden Durchgänge (Aufbau/Inhalt und Stil) erstelle ich einen individuellen Styleguide, in dem ich unterschiedliche Formatierungen (Anführungszeichen vs. Kursive) und Schreibweisen von Fachbegriffen, Zahlen- und Maßangaben, Abkürzungen sowie Gendervarianten festhalte und eine einheitliche Lösung finde. Diese kläre ich mit den Schreibenden ab und arbeite sie dann speziell im letzten Durchgang (Korrektorat) ein. Insgesamt schaffe ich also mehr Klarheit mit diesem Styleguide, den Autor:innen zum lektorierten Text dazubekommen und für weitere Texte dieser Art verwenden können.
Natürlich sind die Schreibenden die Profis auf ihrem Gebiet, daher befinde ich mich während der gesamten Zusammenarbeit intensiv im Austausch mit ihnen und arbeite mich in das jeweilige Thema ein, indem ich viel recherchiere. Ich beachte zudem mögliche Schreibkonventionen des Fachgebiets und passe mich dem Schreibstil an.
🎤 Was rätst du Autor:innen, die im Selfpublishing veröffentlichen wollen?
Mut
Zuerst einmal Mut zur Sache. Selfpublishing ist eine bewusste Entscheidung, die Mut erfordert. Nimm dich und deine Ziele ernst, du schreibst nicht nur ein Buch, sondern baust dir eine Marke auf. Das Gute ist: Es gibt so viele tolle Dienstleistende (ganz besonders im LitNet!), die dich dabei mit ganzem Herzen unterstützen und auf deine persönlichen Anliegen eingehen.
Zeit
Sei nicht voreilig, sondern plane so viel Zeit wie möglich ein (das betrifft alles außer Marketing – denn damit kann man nie früh genug beginnen). Motivation ist etwas Wunderbares, aber ein Buch durchläuft einen Prozess, der nicht von heute auf morgen zu bewältigen ist. Lasse deinen Dienstleistenden ihre Arbeit in der vereinbarten Zeit machen. Als Lektorin spreche ich alles mit dir ab und halte dich immer am Laufenden. Wir Lektorierenden sind auch nur Menschen und möchten das Beste für deinen Text. Ein zu strikter Zeitplan kostet daher nicht nur dich, sondern auch die Dienstleistenden nichts als Stress und Nerven. Die Qualität des Buches soll keinesfalls darunter leiden, dass du so früh wie möglich veröffentlichen und alles im Schnelldurchlauf erledigt haben möchtest. Nimm dir fürs Einarbeiten der Korrekturen genug Zeit.
Dokumentation
Dokumentiere alles. So musst du nicht nach alten Angeboten oder Ähnlichem suchen und hast einen klaren Überblick.
Bewahre einen kühlen Kopf
Die vielen Schritte können manchmal überfordern, und wenn es mal nicht nach Plan läuft, dann denk dran: Es ist möglich, kreativ UND realistisch zu sein.
Bleib bei dir
Vergleiche dich nicht zu sehr mit anderen. Hol dir Tipps von Schreibenden, die vielleicht ein paar Schritte weiter sind, aber quäle dich nicht unnötig mit dem Vergleichen. Du hast genauso einen Plan und darfst deinen eigenen Weg gehen. Du darfst wissen, was du willst, und sollst im Lektorat deine Meinung sogar mit mir teilen.
Schätze die Arbeit der Dienstleistenden wert
Neben der ohnehin aufwendigen Detailarbeit steckt in einem Lektorat eine große Menge an Recherchen, deren Arbeitszeit häufig nicht verrechnet wird. Die meisten Lektor*innen gehen trotzdem auf deine persönlichen Anliegen ein, was bei einem Verlag oder einer Agentur nicht immer möglich ist. Deshalb wünschen wir uns eine Kommunikation auf Augenhöhe und das Bewusstsein dafür, dass Qualität ihren Preis hat.
🎤 Hast du ein Projekt, auf das du besonders gerne zurückblickst?
Ich bin über alle bisherigen Projekte dankbar. Ganz besonders freue ich mich, wenn andere Selbständige ihre Professionalität mit korrekten Texten in Verbindung bringen, und so blicke ich sehr gerne auf das Lektorat eines Workbooks und Zyklusrads für Frauengesundheit von der lieben Eva (Frauengesundheitsexpertin @viva.hormona) zurück. Häufig sind es Themen, die mir selbst sehr am Herzen liegen und mit denen ich mich beschäftige, die mir natürlich am meisten Freude im Lektorat bereiten.
🎤 Diesen Tipp habe ich noch für euch
Wellness-Momente für deine Worte? Ja, am besten lässt sich mit Wohlfühl-Vibes zusammenarbeiten, aber im Lektorat konfrontiere ich dich trotzdem mit den kleinsten sprachlichen Details, weil ich darauf achte, WIE du etwas ausdrückst. Wörter wirken – auch und vor allem bei sachlichen Texten. Denn als Autor:in hast du immer die Wahl, wie du etwas formulierst und wie es deine Zielleserschaft erreicht. Es macht einen Unterschied, wie du ein Thema präsentierst, welche Informationen du preisgibst und welche nicht. Ein gesundes Bewusstsein und ein kritischer Blick sind heute – in einer Zeit, in der sich Informationen in unglaublicher Geschwindigkeit verbreiten lassen – wichtiger denn je.
Fazit
Ich hoffe, Melina und ich konnten dir einen kleinen Überblick über das Thema Lektorat für Sachbücher geben. Du hast Fragen dazu? Schreib gerne einen Kommentar.
Du möchtest ein Lektorat für dein Sachbuch buchen oder interessierst dich für andere Dienstleistungen rund um dein Buch? Schau gerne mal auf der Website vom LitNet vorbei und spare, indem du zwei oder mehr Dienstleistende buchst.






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