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Buchprofis im Gespräch … Warum ist Sensitivity Reading wichtig? – Interview mit Daniela von Lektorat Dunkelfunkel

Buchprofis im Gespraech Sensitivity Reading Interview mit Daniela Blogbeitrag von Alina Schunk von Literally Lektorat

Willkommen zu meiner Themenreihe, in der ich euch Dienstleistende der Buchbranche vorstelle. Heute ist Daniela von Lektorat Dunkelfunkel (Themen: Kleinwüchsigkeit, Bisexualität und vieles mehr) dran. Sie ist Lektorin und im LitNet auf Sensitivity Reading spezialisiert. Was ein Sensitivity Reading überhaupt ist und was es dabei zu beachten gibt, erfährst du hier. 

Sensitivity Reading (Sensibilitätslektorat) ist eine besondere Form des Lektorats. Dabei prüft eine Person mit eigener Erfahrung als z. B. queere Person, Person of Color, Mensch mit Behinderung oder aus einer bestimmten Kultur, ob ein Text klischeefrei, respektvoll und glaubwürdig über marginalisierte Gruppen schreibt.

Ziel ist es, unbewusste Stereotype, verletzende Formulierungen oder Missdarstellungen zu erkennen; nicht um zu zensieren, sondern um sensibler und authentischer zu erzählen. Sensitivity Reading ist also eine Ergänzung zum klassischen Lektorat und hilft, Vielfalt verantwortungsvoll darzustellen. 

🎤 Was hat dich dazu bewegt, diesen Weg als Dienstleistende einzuschlagen?

Das hat vor ein paar Jahren begonnen, als ich es satt hatte, dass Menschen mit Kleinwüchsigkeit in der Literatur herabgewürdigt und diskriminiert werden. Ich möchte mit Mythen und Legenden aufräumen, die nur ins Märchenbuch gehören. Wir denken in dieser Zeit schon für andere Minderheiten mit, doch gerade Menschen mit Kleinwuchs bzw. Menschen, die nicht der „Norm“ entsprechen (da stellt sich gleich die Frage: Was ist denn die „Norm“?), bekommen jeden Tag vor der Haustür zu spüren, dass sie anders sind. Nicht nur einmal versank ich als Jugendliche vor Scham im Sessel, wenn man sich in einem Kinofilm über eine kleinwüchsige Figur lustig machte und der ganze Saal brüllte vor Lachen. Das ist verletzend – nicht nur für mich, sondern für viele Betroffene.
Medien und Darstellungen in Literatur und Film sind nach wie vor nicht hilfreich. Da möchte ich Veränderungen sehen. Das beste Sprachrohr dafür sind eben Medien, und die nutze ich.

Buchprofis im Gespraech Sensitivity Reading Interview mit Daniela Blogbeitrag von Alina Schunk von Literally Lektorat

🎤 Warum ist es sinnvoll, deine Leistung zu buchen?

Ich helfe den Autor:innen mitzumachen – mitzumachen, damit Menschen wie ich nicht verletzt werden. Ich glaube nicht, dass das, was Autor*innen schreiben, absichtlich gemein oder boshaft ist. Aber das spielt keine Rolle, denn weh tut es trotzdem.
Es tut niemandem weh, nett zu sein – auch hier nicht.
Und genau da komme ich ins Spiel: Ich helfe bei der Figurenentwicklung und -darstellung, balanciere Szenen aus, die ungewollt diskriminierend sind. Wichtig ist: Ich zensiere nichts. Ich mache Anmerkungen, die helfen, es besser zu machen. Ich bin eine Beraterin, eine Expertin, zu der ich durch das Leben geworden bin.

🎤 ⁠Was rätst du Autor:innen, die im Selfpublishing veröffentlichen wollen? 

Heruntergebrochen? Verletzt einfach nicht.

Die lange Fassung: Zunächst finde ich es unglaublich stark, die Entscheidung zu treffen, ins Selfpublishing gehen zu wollen. Es ist in jeder Hinsicht eine große Herausforderung.

Zum Thema Sensitivity Reading wurde schon viel Wichtiges im Internet gesagt. Ich finde, es macht keinen Unterschied, ob man als Autor*in im Selfpublishing veröffentlicht oder bei einem Verlag – die Verantwortung bleibt die gleiche. Viele Menschen spüren, wenn etwas an ihrem Text nicht ganz richtig klingt, oder haben das Gefühl, dass da jemand noch einmal drübersehen sollte.
Grundsätzlich gilt: Gerade wenn man über Inklusion, Behinderungen oder sexuelle Orientierung schreibt, sollte man ein Sensitivity Reading in Anspruch nehmen. Man kann dadurch nur gewinnen.
Leider geraten sich in der Buchwelt sehr viele tolle Menschen, die aufklären wollen, gegenseitig in die Haare – das ist nicht hilfreich. Tipp: Halte dich an jene, die etwas bewirken wollen, statt ständig im Recht sein zu wollen.

🎤 Hast du ein Projekt, auf das du gerne zurückblickst?

Oh ja! Meine jüngste Sensitivity-Reading-Arbeit. Das Buch von Kaley Moss „Dating Blacklist“. Hier geht es um wichtige Themen rund um die Modebranche sowie um die Darstellung einer kleinwüchsigen Frau namens Emily, die im Alltag und in dieser umstrittenen Branche ihren Weg sucht. Ich konnte mich in Emily sofort hineinfühlen. Sie muss einstecken für etwas, wofür sie nichts kann. Auf diese Arbeit schaue ich sehr gerne zurück. Es hat Spaß gemacht mit der Autorin zu arbeiten und ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen. 

Fazit

Ich hoffe, Daniela und ich konnten dir einen kleinen Überblick über das Thema Sensitivity Reading geben. Du hast Fragen dazu? Schreib gerne einen Kommentar.

Du möchtest ein Sensitivity Reading buchen oder interessierst dich für andere Dienstleistungen rund um dein Buch? Schau gerne mal auf der Website vom LitNet vorbei und spare, indem du zwei oder mehr Dienstleistende buchst.

Hi, ich bin Alina

von Literally Lektorat. Ich bin deine Lektorin für Romance, Fantasy, Gegenwartsliteratur und Jugendbuch. Mit meiner Leidenschaften für Bücher, Texte & Schreiben unterstütze ich dich in diesem Blog auf deinem Weg zum eigenen Buch.

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Alina Schunk | Literally Lektorat

Alina Schunk | Literally Lektorat

Lektorin für Romance, Fantasy, Gegenwartsliteratur und Jugendbuch

Mit meiner Leidenschaften für Bücher, Texte, Schreiben – kurzum alles, was mit Worten zu tun hat – möchte ich dich auf dem Weg zu deinem fertigen Buch unterstützen.

Du bekommst von mir wertvolle, kostenfreie Tipps auf diesem Blog, damit du dich von meiner Expertise überzeugen kannst.

Gern unterstütze ich dich im Rahmen eines Lektorates oder Korrektorates auch darüber hinaus.

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